Baubericht
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Design
Gute Segelboote sind meist schlechte Ruder- oder Paddelboote - und ungekehrt. Um so mehr
kommt es bei einem "50-50"-Kanu auf gutes Design an! Der zusätzliche Anspruch, dass das Boot
von einer Person tragbar sein soll, macht den Bau nicht einfacher.
Die Eigenschaften des Bootes werden entscheidend durch Rumpfform und -größe bestimmt. Ein gutes
Paddelboot ist lang und schmal, mit wenig Kielsprung, damit es mit minimalem Aufwand durch das Wasser gleitet.
Dagegen braucht ein Segelboot Formstabilität, also Breite mittschiffs, genug Reserveauftrieb
vorn, damit es nicht unterschneidet, und ein flaches breites Heck, damit es gleitet. Es braucht mehr
Kielsprung als der Paddler, damit es leicht manövrierbar bleibt. Im Seegang braucht ein Paddler
mit Spritzdecke nur wenig Freibord. Der Segler braucht dagegen mehr Freibord, um
gegen die Wellen zu bolzen ohne zu unterschneiden und zu kentern.
Wie immer im Bootsdesign ist ein guter Kompromiß die beste Antwort.
Natürlich haben alle Designanforderungen signifikante Auswirkungen auf das Gewicht des Bootes! Soll das
tragbare Kanu zusätzlich genug Stauraum für Campinggepäck und genug Platz für einen Passagier
haben, geht an kompromißloser Leichtbauweise kein Weg mehr vorbei.
Bauplan
Hughs Bauplan ist für erfahrene Bootsbauer! Er besteht aus den Aufmaßen für Rumpf und Deck,
Deckschblonen für ein Sperrholzdeck sowie einer Skizze für die
Cockpitabmessungen. Statt einer Bauanweisung kommt eine extensive englische Literaturliste.
Hugh empfiehlt ausdrücklich drei Bücher, deren Lektüre sich lohnt. Die darin abgehandelten
Bauweisen unterscheiden sich in einigen Punkten von der Bauweise der ersten Buffleheads.
Pflegen Sie von Anfang an den guten Kontakt zum Designer, denn nur er kann Sie darauf
hinweisen! Hugh beantwortet bereitwillig Fragen zu seiner Bauweise und mailt gern Fotos.
Das Design - als Höhepunkt einer zwanzig Jahre langen Suche nach dem idealen
Segelkanu- ist unglaublich funktionell, besonders in den kleinen Einzelheiten.
Leider ist keine einzige davon im Bauplan erwähnt.
Die Bauhelgen
Die im Bauplan angegebenen Risse für die Bauhelgen -für Rumpf und Deck- sind extrem genau. Für den Bau der komplexen Rumpfform braucht man einem Helgen mit 16 Querspanten. Dieser Helgen bekommt Längsstringer über die gesamte Bootslänge. Bootsbau ist Schiefbau, aber der Helgen muß exakt lotrecht und waagerecht stehen. Am besten baut man ihn auf einem soliden Bootsbautisch oder einem Balkenträger auf.
Rumpf
Die Plankenstärken muß der Bootsbauer auf das verfügbare und bezahlbare Material
anpassen. Abwicklungen für die Planken sind im Bauplan leider nicht enthalten.
Damit bleibt dem Bootsbauer die Arbeit, die Beplankung zu schablonieren.
Ich baue den Rumpf aus 26 Plankensegmenten aus dünnem Bootsbausperrholz.
Die Plankensegmente setze ich auf einem langen Tisch zu ganzen Planken zusammen. Danach
werden sie auf dem Bauhelgen verleimt und die Nähte geschliffen. Die gesamte Außenseite
des Rumpfs wird mit leichtem Glasfasergewebe und Epoxy beschichtet. Diese Beschichtung
härtet glasklar aus und kann klar überlackiert werden. Innen wird der Rumpf gesäubert,
verschliffen und mit teurem aber sehr widerstandsfähigem KevlarTMgewebe und Epoxy beschichtet.
Ich prüfe regelmäßig verleimte und beschichtete Plankenstücke, indem ich sie allen
möglichen Belastungen bis zum Bruch aussetze. Die Verbindung zwischen den Planken ist ausreichend, wenn die
Probestücke in der Planke und nicht an der Verbindung selbst brechen. Auf diese Weise gebaut,
wird aus dem gesamten Rumpf eine selbsttragende feste Monocoquestrukur.
KevlarTMbeschichtete Probestücke werden von mir mit dem Hammer geprüft. Habe ich den Holzkern
zu kleinen Spänen zerschlagen, muß das KevlarTMgewebe immer noch dicht halten.
Deck
Das gewölbte Deck wird auf einem Deckshelgen entweder aus dünnen Leisten oder aus Sperrholz
hergestellt. Ich habe mich für das Leistendeck entschieden. Die Leisten werden so
zusammengeleimt, daß das Deck etwas Übermaß hat.
Das Deck wird beidseitig mit Glasfasergewebe belegt und mit Epoxy eingelassen. Für
die Beschichtung der Innenseite bauen Sie für das sehr fragile Deck am besten eine
Tragwanne aus Abfallhölzern auf.
Zum Verkleben von Deck und Rumpf müssen die beiden Teile exakt in Form gehalten werden.
Am besten baut man für den Rumpf eine paßenaue Halterung und legt dann das Deck darüber,
mit ein paar Spanten unterstützt. Nach dem Verkleben wird der Decksüberstand abgehobelt. An der Außenseite zwischen
Rumpf und Deck und entlang der Kiellinie des Rumpfs werden KevlarTMstreifen einlaminiert.
Sie sind teuer, aber leichter, widerstandsfähiger und viel langlebiger als Scheuerleisten
aus Holz.
Cockpit
Das Cockpit -Sie haben das Prinzip inzwischen sicher verstanden- entsteht auf einem weiteren Bauhelgen aus mehreren zusammenlaminierten Sperrholzleisten. Es wird in den Decksausschnitt eingesetzt und verleimt. Den Cockpitrand habe ich ebenfalls aus Bootsbausperrholz gebaut. Hier werde ich zukünftig Verstärkungen aus Carbonfaser verwenden, um den dünnen Teilen maximale Stabilität zu geben!
Schwert und Ruder
Nebenher stelle ich das Ruder aus Aluminium, Ruderschaft und Ruderquadrant aus Sperrholz, Carbonfaser
und KevlarTMband her. Das Seitenschwert laminiere ich aus astfreier Rotzeder.
Den hydrodynamischen Querschnitt bekommt es mit dem Hobel. An der
Vorderkante wird es mit einer Glasfaserschnur und Epoxy gegen Abrieb verstärkt und im gesamten
oberen Drittel mit Carbonfasern und Epoxy versteift.
Montage
Die Lage der Schwerthalterung aus Carbonfaserrohr mit KevlarTMummantelung wird sehr exakt vermessen. Sie muss exakt rechtwinklig zur Mittellinie und parallel zur Wasserlinie eingebaut werden, mit einem Sperrholzdreieck, Carbongewebe und KevlarTMbändern massiv verstärkt. Danach wird der Mastausschnitt ins Deck geschnitten und der Mastfuß montiert. Jetzt sind Rumpf, Schwert und Ruder reif für eine abschliessende Klarlackierung. Das Unterwasserschiff erhält eine abriebfeste sehr harte Beschichtung mit einer Mischung aus Graphit und Epoxy, darüber eine Lage weißer Lack.
Sitz
Der ergonomische, höhenverstellbare und schwimmbare Sitz entsteht nebenher. Die Lehne wird aus Carbonfaser in einer Form laminiert.
Rigg und Segel
Mast und Baum werden aus Carbonfaser hergestellt. Alle Beschläge werden montiert, das Segel zur Probe angeschlagen. Los geht´s zur Probefahrt!
Testphase
Ein neues Design teste ich mindestens 6 Monate lang, unter unterschiedlichsten Bedingungen. Hält das Boot
die Beanspruchungen aus? Funktionieren alle Teile? Wo gibt es Potenzial für Verbesserungen? Erst dann wage
ich mich auf Mehrtagestouren und an die Küste.
Bisher hat das Boot jede Belastung mitgemacht. Ich bin begeistert...
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Boote bauen macht Spaß! Als Werft reicht eine Garage und ein Minimum an Werkzeug.